Geschichte

Am Anfang stand das Haus Nazareth

Erste katholische Gottesdienste wurden schon vor dem Zweiten Weltkrieg auf dem Kuhberg gefeiert: im 1929 fertiggestellten „Haus Nazareth“ in der Saarlandstraße, einer Schwesternstation mit Kindergarten und Krankenpflege. Denn die 1920 eingerichtete Pfarrei St. Elisabeth wuchs durch viele Gewerbeansiedlungen in der Weststadt stark.
Erste Überlegungen auf dem Kuhberg eine Kirche zu bauen, gab es daher schon vor dem Krieg. Doch erst der Zustrom vieler Heimatloser nach dem Krieg drängte zum Bau. Zunächst waren der Wiederaufbau der vorhandenen Kirchen in Ulm und ein Neubau auf dem Eselsberg noch dringlicher.

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Das alte Haus Nazareth kurz vor dem Abriss 2004

 

 

Der Bau der Kirche

1955 wurde durch die Kirchengemeinde St. Elisabeth das Grundstück am Neunkirchenweg erworben, 1956 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, 1957 das Architekturbüro Dilger mit dem Bau beauftragt. Der verantwortliche Architekten Paul Weidner hatte Mühe, seinen modernen Bau beim bischöflichen Bauamt in Rottenburg durchzusetzen.
Die ursprüngliche Idee, unter der Kirche Gemeinderäume zu erstellen mussten wegen in die Baugrube eindringenden Wassers und aus Kostengründen aufgegeben.
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Grundsteinlegung der Kirche mit dem Ulmer Dekan Josef Gantert

 

Am 15. Juni 1958 erfolgte die Grundsteinlegung. Schon anderthalb Jahre später konnte dann die Kirche eingeweiht werden, auch dank vieler ehrenamtlicher Helfer und dem besonderen Engagement von Pfarrer Kner. 250 m³ Mauerwerk und 56 Tonnen Stahl wurden verarbeitet.
Am 28. und 29. November 1959 erfolgte durch Bischof Dr. Carl Joseph Leiprecht die Weihe der Kirche. Mit den Glocken, die im November 1961 geweiht und aufgehängt wurden, war der Bau vollendet.

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Rohbau der Kirche 1958/59

 

 

Die Anfangsjahre der Gemeinde

Am 1. Dezember 1960 wurde Heilig Geist zur selbständigen Stadtpfarrei. Das Gebiet, große Teile des Kuhbergs, wurden von den Pfarreien St. Elisabeth und St. Maria Söflingen (heute: Mariä Himmelfahrt) abgetrennt. Als erster Pfarrer wurde Anton Schaub am 29. Januar 1961 investiert, der mit unermüdlichem Einsatz fast 15 Jahre lang die Gemeinde prägte.


Die wichtigste Aufgabe, um ein Gemeindeleben in einer solchen Stadtgemeinde zu ermöglichen, war die verschiedenen Menschen zusammenzuführen: zunächst die Einheimischen aus Ulm und Söflingen, die Kriegsheimkehrer und die Vertriebenen; später Arbeitsmigranten aus ganz Deutschland und aus dem Ausland.
Am 1. Oktober 1966 öffnete der Kindergarten Heilig Geist neben der Kirche seine Pforten.
Aufgrund einer besseren Strukturierung der Gebiete werden am 1. April 1968 die Katholiken des Ulmer Vororts Grimmelfingen und des Donautal nach Heilig Geist umgepfarrt.
1968 kam es zur ersten größeren Umgestaltung der Kirche: ganz nach den Forderungen des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden die Kanzel und die Kommunionbänke entfernt, Ambo und Tabernakelstele aufgestellt. Die Taufkapelle erhielt ihre heutige Gestalt. Der Chorraum bekam erst 1978 sein heutiges Aussehen mit der Anbringung des großen Kreuzes.

Chorraum

Der Blick auf den Chor 1968 bis 1978

 

In den siebziger Jahren kam noch ein Weiteres hinzu: das lang ersehnte Gemeindehaus. Am 10. September 1973 feierte man Richtfest, am 14. September 1974 wurde es eröffnet. Nun waren größere Begegnungen und Treffen in der Gemeinde möglich. Kein Wunder, dass in dieser Zeit auch die Erwachsenenbildung boomte.

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Rohbau des Gemeindehaus (1974)

 

Veränderungen

1976 folgte Pfarrer Bruno Kurfess auf Pfarrer Schaub. Doch nicht nur die Gemeinde veränderte sich. Auch der Ulmer Kuhberg hat immer wieder sein Gesicht verändert: Abrisse und Neubauten, Abwanderungen und Zuzüge veränderten die Bevölkerung und auch die Gemeinde. Heilig Geist stellte sich immer wieder sozialen Herausforderungen.


Etwa durch die Gründung des Helferkreises, der den Kontakt zu den Menschen vor Ort halten möchte.
Besonders engagierte sich die Gemeinde lange Jahre im sogenannten „Römerlager“, gegenüber der früheren Boelkekaserne. Aussiedler aus Siebenbürgen und dem Banat, später aus Kasachstan und anderen Gebieten Osteuropas erhielten Unterstützung und fanden Kontakt, ebenso Asylbewerber aus Eritrea und Armenien, Afghanen und Libanesen, Tamilen und Ungarn, Polen und andere mehr.
1981 wurden die ersten Sanierungsmaßnahmen notwendig, dabei wurde auch der Kirchplatz grundlegend verändert.

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Fronleichnamsfest nach der Umgestaltung des Kirchplatzes

 

Überraschend starb Pfarrer Kurfess nach 10 Jahren. Zwei Jahre übernahm Pfarrer Michael Graff die Leitung. Jan Snoeren war von 1989 bis 2004 der letzte „eigene“ Pfarrer der Gemeinde. Mit ihm begann der Kontakt mit den Menschen in Kariobangi, einem Elendsviertel in Nairoi, Kenia. Seither unterstützt die Gemeinde das dortige Entwicklungshilfeprojekt der Comboni-Missionare.

 

 

Umbrüche

1999 wurden die Gemeinden Heilig Geist, Mariä Himmelfahrt und St. Elisabeth formal als Seelsorgeeinheit umschrieben. Solange alle drei Gemeinden einen eigenen Pfarrer hatten, blieb das ohne große Auswirkungen.
2004, nach der Pensionierung von Pfarrer Jan Snoeren, wurde Josef Miller, Pfarrer in St. Elisabeth, mit der Administration der Gemeinde betreut. In diese Zeit fällt auch der Neubau des Kindergartens Haus Nazareth (2005).


Ende 2006 wird Heilig Geist auch Heimat der Slowenischen Gemeinde. Gemeinsame Gottesdienste und Feste stärken das Miteinander beider Gemeinden.
Der Abriss der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche am unteren Neunkirchenweg im Jahr 2007 bestürzte auch viele Gemeindemitglieder. Der Neunkirchenweg, an dem beide Kirchen lagen, stand fast 50 Jahre für jahrzehntelang praktizierte Ökumene der beiden Gemeinden. Die Vereinigung der Paul-Gerhardt- mit der Martin-Luther-Gemeinde und die gemeinsame Verwaltung der Gemeinden St. Elisabeth und Heilig Geist machten aus der „Kuhberg-Ökumene“ eine große „Weststadt-Ökumene“. Ein Fenster aus der Paul-Gerhardt-Kirche am Osteinang der Heilig-Geist-Kirche erinnert an die lange ökumenische Zusammenarbeit.

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Paul-Gerhardt-Kirche 1957-2007

 

Trotz aller Veränderungen und Umbruche feierte die Gemeinde ein ganzes Jahr lang ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem vielfältigen Programm.

 

 

Heute

Nach dem Weggang von Pfarrer Joachim Haas aus Mariä Himmelfahrt wurde 2010 Stefan Cammerer als neuer Pfarrer der Kirchengemeinden Heilig Geist, Mariä Himmelfahrt und St. Elisabeth investiert und somit erster Leiter der Seelsorgeeinheit Ulmer Westen. Pastoralreferent Ulrich Köpfler war 2012 bis 2015 Pastorale Ansprechperson der Gemeinde Heilig Geist.

2012/13 wurde der Kindergarten Heilig Geist um eine Krippe erweitert. In dieser Zeit wurde auch das Gemeindehaus, das seit 1989 nach dem Jesuiten und NS-Widerstandskämpfer Rupert Mayer (1876-1945)benannt ist, umgebaut und umfassend saniert. 2014 wurden der Kirchplatz und das Außengelände erneuert.

 

Tag der offenen Tür Saal

Beim Tag der offenen Tür 2013 strahlte der Saal des Rupert-Mayer-Hauses in neuem Glanz.